Zeichen der Zeit
Eine ganze Nation fiebert, ob es der Wal in tiefere Gewässer schafft. Gerade sagt ein Liveticker, man habe erfolgreich einen Peilsender an dem Tier angebracht. Damit soll wohl sein zukünftiger Weg verfolgt werden, so es diesen Weg überhaupt gibt. Experten streiten darüber, was mit dem schwimmunfähigen Tier geschehen soll.
Ohne Zweifel ist es ein hartes Tier-Schicksal. Doch frage ich mich, was unsere Medien dazu veranlasst, uns täglich auf dem Laufenden zu halten. Mir kommt der Verdacht, dass es ein emotionaler Ausgleich und eine gefühlsreiche Ablenkung von dem sein soll, was sonst in der Welt geschieht.
Wollte man das Einzelschicksal der vielen einzelnen Menschen in den gegenwärtigen Krisengebieten in dieser Ausführlichkeit dokumentieren, würde der ganze Tag als Sendezeit nicht ausreichen.
Vielleicht sollte man doch den obersten Manager der gegenwärtigen Ereignisse fragen, ob er nicht auch eine überaus geniale Lösung für die Rettung des Wals vorrätig hat.
Hubertus Brantzen
Bild: Manuela Steffan / in: Pfarrbriefservice.de
