Zeichen der Zeit
Genau fünf Jahre ist es her, dass über das Ahrtal die verheerende Flutkatastrophe hereinbrach, die 135 Menschen in den Tod riss und immense Schäden hinterließ. Insgesamt starben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 über 180 Menschen im Südwesten und Westen Deutschlands. In diesem Sommer kostete die Hitzewelle Ende Juni mit Rekordtemperaturen über 40 Grad, die nach Angaben des Robert-Koch-Instituts mehr als 5.000 Menschen das Leben. In einer zweiten Hitzewelle befinden wir uns gerade. Damals wie heute begann danach eine breite gesellschaftliche Diskussion: vor fünf Jahren ging es um den Hochwasserschutz bei extremen Niederschlägen, heute wird diskutiert, welche Hitzeschutzmaßnahmen gerade für vulnerable Gruppen erforderlich sind. Klimaanpassungsmanager (ja, so heißt diese neue Berufsgruppe) beraten mittlerweile Städte, Gemeinden und Institutionen, wie sie sich an die Folgen des Klimawandels mit Hitze, Dürre und Starkregen anpassen können, weil solche Ereignisse in der Zukunft häufiger und intensiver auftreten können.
Zwischen dem Fest des Hl. Markus am 25. April und dem Fest Kreuzerhöhung am 14. September wird in katholischen Gottesdiensten oftmals am Schluss der Segen um „gedeihliches Wetter“ gespendet. Der alte liturgische Brauch des Wettersegens stammt aus dem Mittelalter. Damals ging es um die Abwehr dämonischer Kräfte, die für Missernten verantwortlich gemacht wurden, heute ist er ein direktes Gebet an Gott, den gesamten Prozess des Säens, des Wachsens, des Erntens und des dankbares Genießens mit seinem Segen zu begleiten.
Mich spricht dieser alte liturgische Brauch sehr an. Dabei bin ich mir bewusst: Der Wettersegen kann den Klimawandel nicht einfach außer Kraft setzen. Und er allein wird uns auch nicht vor seinen Folgen, wie wir sie damals 2021 im Ahrtal und Ende Juni erleben mussten, bewahren können. Aber er ruft uns zu einem bewussten, verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Gottes Schöpfung in Zeiten des Klimawandels auf, damit diese Erde ein Lebenshaus für alles Lebendige bleiben kann. Zu einem solchen Umgang mit der Schöpfung zählen für mich auch alle Anstrengungen zur Klimaanpassung, die nicht nur uns, sondern auch kommenden Generationen eine Lebensperspektive bietet. Der Wettersegen gibt die Zusage, dass solches Mühen unter dem Segen Gottes steht.
Bild: Andreas Ruffing
