12. August 2026

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Die Würde des Menschen

Moment mal!

Es kam vor einigen Wochen eine besondere Anfrage eines Vaters an mich:

Sein Sohn ist verstorben, die Polizei hat ihm die Todesnachricht überbracht, ob ich eine Abschiedsfeier gestalten kann.
Keine Beisetzung, nur eine Abschiedsfeier.
Der Hintergrund ist tragisch. Der Sohn war als Jugendlicher ins Drogenmilieu geraten, hat sich herausgekämpft, wurde dann wieder rückfällig. Drogenklinik, Methadonprojekt, Leben auf der Straße, immerhin in Anbindung an eine Obdachlosenhilfe und Streetworker. Der Vater hat ihn, soweit es möglich war, unterstützt, den Kontakt gehalten, bis der vor einigen Jahren abriss.
Versuche, den Kontakt wieder aufzunehmen, scheiterten. Die Trauer über diese Ungewissheit war ein ständiger Begleiter des Vaters. Halt fand er im Gleichnis vom barmherzigen Vater. Und so hat er gelebt, immer nach seinem Sohn Ausschau haltend, die Arme offen für sein Kind.
Nun kam die Nachricht, dass man den Sohn gefunden habe. Tot. Seit mehreren Jahren. Eindeutig identifiziert anhand einer DNA  Analyse. Die Bestattung erfolgt anonym in einer anderen Stadt.

Zum ersten Mal mit einer solchen Situation konfrontiert, kam mir der Vers aus Jesaja „Ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben, du bist mein!“ in den Sinn.
Diese Zusage stärkte meine Hoffnung, dass dieser Mensch seinen Namen bei Gott nie verloren hat und auch nicht seine Würde. Dass sein Leben mit den guten Momenten, aber auch mit den vielen Brüchen und Unzulänglichkeiten, mit der Liebe und Sorge seines Vaters und mit seinem einsamen Tod irgendwo am Rande der Gesellschaft bei Gott aufgehoben ist.

Pia Biehl

Bild: Pia Biehl

12. August 2026

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