Kirchen-Geschichten
In Mainz gibt es eine Brücke, die immer wieder unermüdlich beflaggt wird. Manchmal wehen diese Flaggen kräftig im Wind, manchmal wollen sie sich einfach nicht genug aufblähen. Da wird so gewissenhaft und so bunt geflaggt, dass Hanns-Dieter Hüsch seine Freude daran hätte, denn nach ihm ist die Brücke ja benannt. Einige seiner Gedichte beginnt Hüsch mit den Worten: "Im Übrigen meine ich." Und dann folgt viel mehr als ein Nachtrag, sondern eine ziemlich durchdachte Überlegung. "Im übrigen meine ich", heißt es da einmal, dass "Gott uns alle schützen möge / auf unserem langen Weg zur Versöhnung / mit allen Menschen und mit allen Völkern". Sehr konkret führt er aus: "Er möge von seiner Heiterkeit ein Quentchen in uns hinein pflanzen" und "uns schützen vor aller Besserwisserei". "Er gebe uns die Kraft zur Demut" und "bewahre und vor jedem Hochmut und vor jeder Bitterkeit". Er bitten Gott: "schenke uns ein Segelschiff voller Liebe / Und lass uns über deine Meere fahren / zu deinen Ufern und zu deinen Menschen."
Im Übrigen meine ich, dass eine Stadt stolz darauf sein kann, eine Brücke mit seinem Namen zu haben. Hüsch beschönigt nicht, möchte Halsabschneidern, Blutsaugern und Frauenschändern das Handwerk legen. Aber gegen alle, die Hass, Verachtung und Pöbelei salonfähig machen, setzt Hüsch auf Liebe, die sich nicht verbittern lässt und nichts Böses addiert. Setzt auf Mitstreiter, die "daran arbeiten wollen, daß Jesus Christus nicht umsonst geboren wurde gestern, heute und morgen."
Zitate aus: Michael Blum/ Hanns-Dieter Hüsch, Das kleine Buch zum Segen
Bild: Anne-Madeleine Plum
