Zeichen der Zeit
Mental Load bezeichnet die fortwährende mentale Belastung, die entsteht, wenn im Familienalltag viele Dinge geplant, organisiert und im Blick behalten werden müssen: Kinder und Haushalt, Termine und Einkäufe, und vieles mehr. Während körperliche Arbeit wie Putzen oder Rasenmähen sichtbar ist, bleibt das sich sorgen und Kümmern oft unsichtbar. Sichtbar werden dagegen für andere die Folgen: Gereiztheit, Ungeduld oder Streit.
Dabei sind Frauen keineswegs – wie von manchen vermutet – besser im Multitasking. Denn jedes Gehirn kann immer nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten. Unser Arbeitsgedächtnis gleicht einem Jongleur, der nur wenige Bälle in der Luft halten kann. Kommen immer mehr Aufgaben hinzu, steigt die Gefahr, dass etwas herunterfällt – wir fühlen uns überfordert.
Entscheidend ist aber nicht nur, was passiert, sondern auch, wie wir es bewerten. Ein Kind, das quengelt oder etwas Verbotenes tut, kann provokativ erlebt werden – oder als müde und überfordert aufgrund mangelnder Reife. Was wir über eine Sache denken, beeinflusst wesentlich, ob wir verärgert oder gelassen reagieren.
Dauerhafter Mental Load kann sich körperlich und psychisch bemerkbar machen: Durch Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen. Was hilft? Nicht alles lässt sich verändern. Aber wir können lernen, wie wir mit den Dingen besser umgehen. Statt ständig im Verteidigungs-Modus zu sein und alles kontrollieren zu wollen, kann eine offenere, achtsame Haltung helfen. Ich muss nicht alles im Voraus wissen. Der Weg entsteht beim Gehen.
Ich lese gerne das Gelassenheit fördernde Gedicht „Lobenswertes Lebensmotto“ von Mascha Kaléko: „Was immer die Dinge mir bringen,/ ich stehe über den Dingen./ Was immer die Dinge mir tun,/ ich tue, als wär ich immun./ Und kann ich das Wollen nicht wollen,/ so schicke ich mich in das Sollen./ Die Haltung zum Guten, zum Schlimmen/ kann keiner als ich nur bestimmen.“
Bild: Klaus Glas, generiert mit ChatGPT 9/2026
