Zeichen der Zeit
Das berühmte Zitat von Hannah Arendt geht mir im Moment durch den Kopf. Nicht nur im Blick auf die große Weltlage, die sich durch den Irankrieg weiter anspannt. Das Zitat beschäftigt mich auch deshalb, da vergangenen Sonntag Internationaler Frauentag war und kommenden Sonntag bei uns in Hessen die Kommunalwahlen anstehen.
Nun war Hannah Arendt sicherlich keine Feministin im engeren Sinne und hat bei ihrem Zitat an die politische Verantwortung aller, also auch an die, die kein politisches Amt bekleiden, gedacht. Als politisch Handelnde im engeren Sinne in Regierungen und Parlamenten hat sie aber in ihrer Lebenszeit vornehmlich Männer erlebt.
Vornehmlich Männer erlebe ich ebenfalls, wenn ich mir in meinem Heimatort die Wahlplakate anschaue. Auf der Ortsebene dominieren bei den Parteien, selbst bei den Grünen, die ja auf ihre Quote stolz sind, Männer. Haben Frauen einfach weniger Interesse an Kommunalpolitik, wie es manchmal von Männern zu hören ist? Oder ist es nicht vielmehr so, dass nach wie vor in der Kommunalpolitik Männernetzwerke existieren, die Posten und Kandidaturlisten unter sich ausmachen? Und wie sieht es mit den Rahmenbedingungen aus, wenn auf Gemeindeebene politisches Engagement weitgehend ehrenamtlich geleistet wird? Wie ist es dann mit der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Familie und ehrenamtlichen Engagement? Auf wem lastet nach wie vor vorrangig die Sorgearbeit für Kinder, pflegebedürftige Angehörige und alte Eltern? Wer also hat überhaupt Zeit und Rückenfreiheit für politisches Engagement im Ehrenamt? Statt Frauen mangelndes politisches Interesse zu unterstellen, sollten wir Männer eher selbstkritisch fragen, was wir durch unser Verhalten und unser Tun dazu beitragen, dass Wahlplakate so aussehen wie sie aussehen.
Ach ja, dieser Sidestep fällt mir dann mit der Abwandlung des Zitats am Schluss auch noch ein: Kirchliche Fragen sind zu wichtig, um sie (Kleriker-)Männern zu überlassen. Das freilich wäre dann ein eigenes Thema für die Rubrik.
Foto: Andreas Ruffing
