Zeichen der Zeit
Erfurt am ersten Juliwochenende – eine Stadt im Ausnahmezustand. Seit bekannt wurde, dass die AfD ihren Bundesparteitag in Erfurt plante, gab es viel Aufruhr. Viele Menschen waren bestürzt und auch besorgt. Am meisten hatte man Sorgen, es könnte mit Gegendemonstrationen zu Gewalt und Zerstörung kommen. Die Stadt Erfurt, sowie viele Vereine, Bündnisse und auch die Kirchen planten gezielt Veranstaltungen für Frieden, Demokratie und Zusammenhalt gegen Hetze und Hass. So begann der Freitagabend (03.Juli.2026) mit einem Friedensgebet in einer katholischen Kirche mit Lichterkette zum Gothaer Platz, die Zufahrtsstraße zum Messegelände, wo die AfD am 4. und 5.Juli 2026 ihren Parteitag abhielten. In eine evangelischen Kirche wurden die Türen für das Bündnis „Widersetzen“ geöffnet, das den Kirchenraum als Schutzraum und Oase für Absprachen und als Rückzugsort nutzten.
Von 50.000 Menschen die erwartet wurden, kamen ca. 31.000 die insgesamt sehr friedlich sich für Demokratie und Zusammenhalt einsetzten. Die Innenstadt war bunt geschmückt mit Regenbogenfahnen, Goldenen Rettungsdecken (eine Aktion in Erfurt: Erfurt glänzt – Gold statt braun) und vielen Plakaten „Weltoffenes Thüringen“. Der Samstag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst mitten in der Stadt. Von da an zog sich ein Band des bunten Treibens durch die ganze Innenstadt. Bühnen mit Musik, sehr viele verschiedene Stände der Vereine und auch alle Kirchen boten ein buntes Programm. Basteln, Spiele, Musik und Tanz, Gebete in allen Formen, Speisen und Getränke und auch Informationsmaterialien. Wenn man nicht gewusst hätte, dass stadtauswärts auf dem Messegelände die AfD tagte, war es wie ein schönes Stadtfest, dass viele Menschen vereint. Rund um die Messehalle saßen die Menschen in Sitzblockaden, um ihre Sicht auf die Dinge deutlich zu machen. Zum Glück verlief alles sehr friedlich, nur wenige Festnahmen der Polizei waren erforderlich.
Bodo Ramelow der Vizepräsident des deutschen Bundestages, endete in einer Podiumsdiskussion mit Katrin Göring-Eckardt (MdB - GRÜNE) und Michael Hose (MdB - CDU) mit dem Statement; Angst vor der AfD ist der falsche Weg, damit hätten sie schon gewonnen, es bleibt der Dissens bzgl. AfD- Verbotsantrag sehr gut und sachlich zu begründen und bei allen pro und kontra doch insgesamt parteiübergreifende Zustimmung, darüber reden zu wollen. Ramelow betonte auch, wie wichtig es bleibt immer wieder mit unseren Nachbarn und Bekannten, die die Ansichten der AfD für gut befinden, im Gespräch zu bleiben und mit friedlichen Argumenten zu überzeugen.
Der Parteitag konnte nicht verhindert werden, aber mit viel Engagement zeigten die Erfurter und ihre Gäste wie bunt ein weltoffenes Thüringen sich dem Rechtsdruck friedlich widersetzen kann, um sich für Frieden und Demokratie einzusetzen und die Würde der Menschenrechte zu bewahren.
Bild: Nicole Elß, Erfurt Juli 26
